Skip to main content
  • Zarte Bande zwischen den Kolossen am Wasserloch sind eine beeindruckende Darstellung des Sozialgefüges der kleinen Herde.

    Streicheleinheiten
  • Am Masuma Dam zieht nervös eine Herde Elefanten an einem Rudel Löwen beim Abendessen vorbei.

    Spektakulärer Sundowner
  • Ganz nah können wir den Elefanten am Wasserloch des Masuma Dam zuschauen, wie sie ihren Durst stillen.

    Close Up

Der westliche Teil des Parks zeichnet sich durch – im Winter äußerst trockene – Mopanewälder aus und ist ein beliebtes Revier für Großkatzen und Wildhunde.

Anreise

Hwange hat doch tatsächlich ein Stadtzentrum. Alles was der Mensch so braucht, unter anderem eine Tankstelle und einen Supermarkt. Prima, wir füllen auf und machen uns wieder auf den Weg zum Osteingang. Wir staunen nicht schlecht, als uns unsere Route am Rande einer Kohlemine vorbeiführt.
Die Landschaft um uns herum ist komplett schwarz gefärbt und der schwarze Staub liegt schwer in der Luft. Kaum vorstellbar, dass wir in Kürze wieder einen Nationalpark betreten. Mitten in der Miene gabelt sich die Straße und zwei Schranken versperren den Weg. Wir müssen nach Links, aber zuvor tragen wir uns natürlich abermals in ein Buch ein. Hübsch ist es hier wirklich nicht und wir freuen uns, als der Kohlestaub weniger wird. Es sind noch 20 km zum Sinametella Camp, wo wir uns für die nächsten Tage registrieren müssen. Das Thermometer zeigt inzwischen 35 °C, die Landschaft ist übsät mit trockenen Mopane-Bäumen und die Piste wird zunehmend schlechter. Wir sind froh, dass unser 4x4 anstandslos das Gelände durchquert.

Hwange National Park – Teil 2

Parkeingang West

Nachdem wir uns selbstverständlich wieder in ein Buch eingetragen haben erreichen wir nach weiteren 15 km unsere Campsite am Mandavu Reservoir und staunen nicht schlecht, wie es hier aussieht! Alles etwas heruntergewirtschaftet, den Hütten fehlen die Dächer, das Porzellan der Toilette ist zerbrochen, die Nasszelle kaum zu gebrauchen, es ist brüllend heiß und der Ausblick geht so. Die Tiere am anderen Ufer des Sees sind einfach zu weit entfernt, als dass man gute Bilder machen könnte.
Frustriert essen wir unsere Reste Reis mit Chakalaka und kauen auf ein paar Milchbrötchen herum. Drei Tage sollen wir an dieser Site bleiben. Das kann ja heiter werden. Die Stimmung ist gerade auf dem Nullpunkt, als Elisabeth & Beauty uns begrüßen – die zwei Rangerinnen hier am Mandavu Dam. Nach einer kurzten Pause beschließen wir, die Umgebung zu erkunden und fahren nach Süden an den Masuma Dam. Die Strecke dorthin führt uns durch Akazienwälder, teilweise direkt zwischen den Bäumen hindurch, da die Piste in einem so schlechten Zustand ist, dass eine Alternativroute angelegt wurde. Wobei die ohne Allrad eigentlich auch nicht befahrbar wäre …

Masuma Wasserloch

Der beste Hide im Westen

Der Wald lichtet sich und wir fahren auf einer Anhöhe entlang, die auf der Südseite abrupt abbricht und in einer weiten Ebene weitergeht. Wir erreichen das Masuma Wasserloch und es ist mächtig was los. Wir werden von Ranger Edward begrüßt, der genau so gespannt die Ebene betrachtet, wie alle anderen, die sich hier eingefunden haben.
Auf der Westseite, in ca. 300 m Entfernung, haben Löwen einen jungen Elefanten gerissen. Tatsächlich sehen wir eine Löwenmutter mit 4 Jungen, wie sie an dem Kadaver herumknabbern. Am Wasser herrscht reges Treiben: ständig kommen und gehen Elefantenfamilien und stillen ihren Durst direkt an der Quelle vor dem Hide. Wir sitzen nur einen Steinwurf von den Tieren entfernt und es ist faszinierend, wie die Elefanten miteinander kommunizieren und agieren.

Sundowner

Wir verbringen den ganzen Nachmittag im Schatten und einer angenehmen Brise die durch den Hide streift. In der Abendsonne taucht dann plötzlich ein ganzes Rudel Löwen mit 15 Tieren auf und macht sich über den Kadaver her.
Gruppen von Elefanten beäugen die Fress-Orgie mit interessierten und sehr vorsichtigen Blicken, bevor sie dann fix die Stelle passieren, um ans Wasser zu gelangen. Dort liegen eine handvoll große Krokodile und beinahe wäre ein Elefant sogar über die trägen Reptilien gestolpert.
Es wird spät und Edward lässt uns auf dem Campingplatz übernachten, da die gebuchten Gäste nichts dagegen haben. Wir bauen unser Zelt auf und weiter geht es am Hide. Der Verkehr nimmt zu: Elefanten kommen jetzt von überall her, Giraffen sind da. Krokodile und Flusspferde im Wasser. Und am Kadaver tummeln sich ein Haufen Löwen. Und das Licht ist einfach Wahnsinn. Ein toller Sundowner.

Sternenhimmel

Danach kochen wir zu Michas Missfallen mal wieder im Dunkeln. Wir haben unser Fahrzeug recht nahe an die gemauerte Feuerstelle gefahren, damit wir unsere Ausrüstung nicht so weit tragen müssen. Es gibt mal wieder Pasta Bolognese. Nach dem Essen sitzen wir in unseren Campingstühlen und beobachten den Sternenhimmel. Wir machen noch ein paar Langzeitbelichtungen und gehen zeitig schlafen. Während wir einschlafen, hören wir die Elefanten wie wild tröten und ausgiebig im Wasserloch planschen.

Elephant 101

Auf Tuchfühlung

Intermezzo 1

Wir wachen auf – es stinkt nach Elefant!

Aber so intensiv haben wir das selten gerochen. Wir spähen durch das Moskitonetz aus dem Zelt und erblicken lediglich eine graue Wand. Da steht doch einer direkt vorm Zelt! Vorsichtig und leise drehen wir uns auf den Bauch und beobachten durch das Kopfteil unseres Zeltes, wie das Tier langsam an uns vorbeizieht. Der Elefant schaut uns direkt in die Augen und läuft um das Auto herum.
Hätten wir nur mehr Platz zwischen Kühler und dem gemauerten Grill gelassen! Zu unserem Erstaunen passt das Tier mit der grazilen Leichtigkeit einer Ballerina durch die Lücke und fängt an dem Baum zu knuspern an, an dem wir parken. Es ist total faszinierend, wie das große Tier sich bewegt, ohne an irgendetwas anzustoßen!
Trotzdem sitzen wir inzwischen aufrecht in unserem Zelt und haben die Beine angezogen, falls der Elefant trotzdem anstößt und das überhängende Teil des Zeltes einfach vom Auto herunterfällt. Wer weiß, wie schusselig das Tier ist. Sicherheitshalber überlegen wir uns einen Plan B für den Worst-Case, wie und wo wir am besten das Zelt verlassen können, man kann ja nie wissen ...
Fasziniert hören wir, wie der Elefant die Äste des Baumes bricht und mit seinen großen Backenzähnen lautstark zu Brei zermalmt. Tolle Geräuschkulisse – das Herz hängt im Hals, der Körper voller Adrenalin. Wir fühlen uns, als ob wir 8 Tassen Kaffee getrunken hätten. Gefühlte Stunden später verschwindet der Eli in Richtung Zaun und wir beruhigen uns wieder. Vor lauter Aufregung können wir aber nur schwer wieder einschlafen.

Intermezzo 2

Kurz vor Morgengrauen flattern plötzlich kreischend Vögel aus dem Baum, wir sind sofort wach und sehen gerade noch, wie ein Elefant schon wieder an unserem Zelt vorbei rennt. Wir denken an den Satz: 'There is a fence, but no fence'. Schon klar, auch hier hat es Löcher im Zaun, da passen Elefanten locker durch!

Tag 15

Wir stehen um 5 auf, begutachten den nun fehlenden Baum vorm Auto, machen uns Kaffee, nehmen Kekse mit in den Hide und beobachten bei aufgehender Sonne ein fast leeres Wasserloch für zwei Stunden. Nachdem wir gepackt haben, benötigen wir für 20 km zum Deteema Dam über zwei Stunden, denn die 4x4 Piste, die dorthin führt, befindet sich in einem desolaten Zustand.
Wir krabbeln rumpelnd im Schritttempo durchs Gelände und verjagen mit dem Lärm, der uns umgibt, sämtliche Tiere.

Deteema Dam

Die Campsite ist winzig, aber charmant mit einem kreisrunden, lückenhaften Zaun angelegt. Der diensthabende Ranger kommt uns zu Fuß entgegen, meint wir sollen aufpassen, es hätte Löwen in der Nähe! Zum Wasser hin, lädt die Anlage mit einem großen, bequemen Hide zum Bleiben ein, den wir sogleich mit unserem Fotoequipment und den Klappstühlen besetzen.
Anny holt sogar die Kochutensilien und es gibt ein zünftiges Rührei mit Schinken und Baked Beans zum Frühstück. Wir bleiben den ganzen Tag unter uns und können im Schatten und einer leichten Brise viele Gäste am Wasserloch beobachten. 100 Meter neben dem Hide liegt ein weiterer Elefantenkadaver. Aber von den Löwen fehlt jede Spur. Sie liegen wahrscheinlich irgendwo im schattigen Dickicht und warten, bis die Hitze des Tages vorüber geht.

Mandavu Dam

Am späten Nachmittag müssen wir unseren Spot leider aufgeben, die Strecke zurück an das Mandavu Reservoir ist lang und schlecht. Und wir wollen es doch mal versuchen, mit Tageslicht zu kochen!
Micha bereitet noch kurz einen Kanister Trinkwasser auf und während der Butternut Kürbis leicht vor sich hin köchelt, begrüßen wir den Sonnenuntergang mit einem Gin & Tonic.
Elisabeth & Beauty kommen vom gerade vom Fischen zurück und tauen etwas auf als wir fragen, was sie gefangen haben. Stolz zeigen sie den Inhalt ihrer Tüte: Bream, wie überall. In der Dämmerung oder mit genug Alkohol sieht der Platz dann auch gar nicht mehr so verlottert aus denken wir, während Micha noch leckere T-Bones durch die Pfanne schwenkt ...

Tag 16

Wir werden durch das Gezwitscher der Vögel geweckt. Verdammt, wir haben verschlafen, weil das Handy ausgegangen ist. Somit sind wir nicht ganz so früh unterwegs wie geplant. Kommen aber gut voran und stellen einen neuen Rekord zwischen aufstehen und losfahren auf: 30 Minuten, das ist nicht schlecht. Wir werden eben jeden Tag geübter mit dem ganzen Equipment.
Es geht mit hohen Erwartungen an den Masuma Dam. Aber da herrscht tote Hose und wir entscheiden uns ein wenig weiter über die Südroute des Parks zu den Shumba Pans zu fahren. Diese liegen sehr hübsch in einer weiten Ebene, die ganz gut einzusehen ist. Aber auch hier ist praktisch nix los.

Auf der Suche nach Motiven

Also arbeiten wir uns auf der Piste zum Main Camp langsam voran und spotten an der Dwarf Goose Pan tatsächlich 6 Löwen: aus dem Augenwinkel heraus hat sich in 200 Metern Entfernung irgendetwas bewegt – an der Silhouette eines Gerippes vielleicht? Wir halten an, denn hier haben sich auch viele Geier eingefunden.
Ist nicht immer eine Garantie, aber oft ein Zeichen für Katzen in der Nähe. Und wir freuen uns ein Loch in den Bauch, als die Tiere sich dann bewegen, den besten Schattenplatz suchen und dann sogar die offene Weite zum Wasserloch überqueren. Drei große, muskuläre Tiere sitzen am Rande des Wassers und schlabbern nach Katzenmanier am kühlen Nass.

Shumba Pan

An der Shapi Pan drehen wir um und verbringen die Mittagshitze an der 30 km entfernten Shumba Pan. Nach dem verspäteten Frühstück wird erstmal geduscht, denn die Nasszelle hier sieht viel besser aus und das Wasser ist nicht brackig.
Kaum haben wir uns neu eingekleidet, bekommen wir einen Rüffel vom Keeper der Anlage, denn wir haben die Campsite ja schließlich nicht gebucht! Das ist richtig, wir entschuldigen uns in aller Form und wischen die Nasszelle dann noch mal raus.
Am Nachmittag setzen wir uns in den Hide am Wasserloch, der eine Plattform in 2 Metern Höhe hat. Eine Elefantenkuh am Wasser ist sehr nervös und neugierig kommt sie näher, um uns auszukundschaften. Wir sind dann auch ein wenig nervös, denn das ist für unseren Geschmack dann auch sehr nah. Aber schließlich trottet sie von dannen und wir machen uns auf den Weg zurück zum Mandavu Reservoir. Vorher halten wir natürlich noch mal am Masuma Dam und vergessen beinahe die Zeit beim Beobachten dutzender Elefanten bei den Wasserspielen.

Mandavu Dam

Auf unserer Campsite dokumentieren wir den Aufbau von unserem Zelt und das Kochen unseres Abendessens mit einem Timelapse. Wir genießen den Sternenhimmel und sind ein wenig betrübt, dass es schon die letzte Nacht in unserem Dachzelt sein wird.
Als wir auf den Schlafsäcken liegen, trauen wir unseren Ohren nicht! Ein Flusspferd fängt an ganze Arien zu singen und wir lachen uns schepps über den Lärm. Wir taufen es liebevoll Walter.

Elephant 101

Die nächste Begegnung

Intermezzo 3

Im Gebüsch um uns herum knackt und kracht es: Elefanten!

Nicht schon wieder denken wir und beobachten gespannt, ob wir irgendetwas in der Dunkelheit ausmachen können. Ein dunkler Schatten bewegt sich langsam über den Platz, direkt am Gebäude der zwei Keeper vorbei. Diese sind inzwischen auch von dem Lärm alarmiert und beginnen mit ihren Schuhen auf einer Regentonne herumzutrommeln, was wir anfangs als sehr albern bezeichnen. Aber es funktioniert, der Elefant trottet weiter.
Natürlich sind die Elefanten nicht verschwunden, nur weil keiner mehr auf dem Platz in unmittelbarer Nähe umher streift, heißt das nicht, dass die Tiere nicht woanders ihre 200 kg Vegetation suchen. Und so schlagen die Vögel in der Nacht ständig irgendwo Alarm, wenn sie ihre Schlafstangen durch einen hungrigen Elefanten verlieren und treiben uns mit dem Gezeter schier in den Wahnsinn.

Tag 17

Verschlafen und mit Ringen unter den Augen frühstücken wir bei Sonnenaufgang und lauschen dem Gebrüll eines Löwen in der morgendlichen Stille. Wir packen, bauen ab und verschenken unser restliches Essen und noch ein paar Kleinigkeiten, die wir nicht mehr benötigen. Elisabeth & Beauty freuen sich riesig über unsere Gaben und wir merken, dass die zwei Damen sonst so gut wie gar nichts in ihrer Hütte haben und täglich Fischen gehen müssen, um etwas Essen zu können! Irritiert fahren wir los und vergessen beinahe die Campingstühle …
Kurz gehen wir noch auf Löwensuche – das klang schließlich nah und so viel Zeit ist immer! Ohne Glück verlassen wir dann aber den Park und verabschieden uns von einer spektakulären Landschaft und einer einzigartigen Tierwelt als wir auf die A8 nach Vic Falls abbiegen.
Impuls

Grazile Geschöpfe der Nacht

1.) Ballarinagleich bewegt sich ein Dickhäuter um Auto, Zelt und Leiter. Wenn er will.
2.) Tagsüber ist der Geräuschpegel der Wildnis deutlich leiser. Der Lärm entsteht in der Nacht.

Zimbabwe Teil 1 & 2, 8:34